SZENARIEN DES UNHEIMLICHEN

25. Mai – 13. Juli 2014

„Szenarien des Unheimlichen“
in Kunst, Technologie und Architektur

Mit Beiträgen der Künstler-Architekten Christophe Berdaguer & Marie Péjus (F), des Künstlers und Filmemachers Clement Page (UK), des (Medien)Künstlers Björn Schülke (D), der Architektin und Künstlerin Annett Zinsmeister (D) und der Künstlerin Simone Decker (LUX/D).

Ort: KVN, Rupert-Mayer-Kapelle,
Rupert-Mayer-Str. 68-70, 73765 Neuhausen/Fildern
Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag, 14 – 18 Uhr
oder nach Vereinbarung M. 0172/5451345
Email kv.neuhausen@gmail.com

fig header: Annett Zinsmeister, Outside-in/Virtual Interiors, 2007
fig. 1: Simone Decker, So white …, 2001

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_________________________________________________________________Die Ausstellung will dem Phänomen des Unheimlichen in der Gegenwart nachspüren wie es beispielsweise durch Überwachungstechnologien, durch Bilder von Krieg und Zerstörung, in der freudianischen und poststrukturalistischen Theorie und ebenfalls in der zeitgenössischen Architektur thematisiert und erfahrbar wird.

Die Verräumlichung des Unheimlichen, in dem auch der Aspekt des Heims enthalten ist, untersuchen die französischen Künstler Christophe Berdaguer & Marie Pejus in ihrer Serie “Fantomarchitecture“ und die in Luxemburg geborene Künstlerin Simone Decker in der Fotoserie  „White Noise“ (2001). Die letztgenannte Fotoserie entstand zunächst im analogen Verfahren durch Überblendung kleinstädtischer,  spießiger Architekturen mit Tageslichtscheinwerfern.  Architektonische Details werden durch dieses Verfahren korrigiert oder wegretuschiert;  bewohnbare oder funktionale Gebäude werden in weiße, blinde Flächen verwandelt, die nichts „heimliges“ mehr besitzen, und sowohl ihre Funktion als auch den Charakter des sicheren Schutzraumes verlieren.
Anknüpfungspunkt für die von Berdaguer & Pejus realisierte Architektur, bot hingegen das ehemalige Gefängnis in dem lothringischen 2000-Seelen-Dorf Delme – das vor seiner künstlerischen Transformation auch als Schule und Leichenhaus genutzt wurde. Dieser unsichtbare „Geist des Hauses“, der die Künstlerarchitekten inspirierte, spiegelt sich in der ungewöhnlichen skulpturalen Gestalt des neuen Gebäudes, das durch seine „Verflüssigung“ etwas Bedrohliches und zugleich auch eine gewisse Komik besitzt. Die über das alte Gebäude geschobene Polystyreneschale weckt Assoziationen an die überdimensionale „Marshmallowfigur“ aus dem Film „Ghostbusters“ (1984), die fragmentarisch auch in weiteren „Fantomarchitekturen“ des Marseiller Künstlerteams Verwendung findet.

fig. 2: Berdaguer & Pejus, Architecture Fantôme, Entwurf für Delme/F. 2011
fig.3: Maquette Architecture Fantôme, Kunstverein Neuhausen 2014
© Kelsey Zigmund

Einen weiteren Aspekt der Verräumlichung des Unheimlichen, der mit existienzieller Angst (Tod, Obdachlosigkeit u.a.) und der Empfindung des Grauens verknüpft ist, zeigt die S/W Serie „Lost homes“ von Annett Zinsmeister, die 1996 nach dem Ende des Krieges in Bosnien entstanden ist.

In dieser Fotoserie dokumentiert die Künstlerin die Zerstörung  der urbanen Landschaft und verstärkt den Eindruck des  Grauens durch Inversion des Fotopositivs.  Während ihres Aufenthaltes  in Sarajewo und Mostar 1996 , entstand ebenfalls ein Super 8-Film, der im Stil eines „touristischen“ Tagebuchs verfasst ist, jedoch nicht spektakuläre Sehenswürdigkeiten, sondern die Trostlosigkeit der Kriegslandschaft dokumentiert.
In der Serie „Outside-in/Virtual Interiors 2009, werden hingegen gesichtslose Massenarchitekturen der post-sozialistischen und post-kapitalistischen Gesellschaft, durch Addition, Spiegelung und Drehung, zu einem bedrohlich saugenden Häuserschlund verwandelt.

 

Björn Schülkes kinetische Skulpturen, die auch als wissenschaftlich-technologische Medienobjekte umschrieben werden können, sind mit kleinen Monitoren ausgestattet, die ihr Umfeld aufzeichnen. Sie interagieren mit dem Besucher, indem sie dessen Bewegungen und Handlungen im Raum präzise nachspüren. Die sichtbare Aufzeichnungsaktivität der kinetischen Kontrollobjekte hinterlässt das beunruhigende Gefühl des Beoachtetwerdens. Mitunter wird die Bedrohlichkeit durch die spielerische oder mimikriartige Erscheinung der Objekte nivelliert oder gar konterkariert, wodurch der Betrachter kurzfristig abgelenkt und in ein Stadium der Sorglosigkeit überführt wird.

Der künstlerische Beitrag von Clement Page (Bristol, UK) besteht in dem S/W Spielfilm „Hold your Breath“ (Halt den Atem an). In diesem Film wird das Unheimliche vor dem Hintergrund der Studie „Der Wolfsmann“ des Psychoanalytikers Sigmund Freuds  reflektiert. „Der Schwarz-Weiß-Film erzählt die Geschichte des 5-jährigen Sergei Pankejeff und seiner wachsenden Tier-Phobie, die insbesondere die Angst vor Wölfen betrifft. Clement Page ergründet in seinem Filmprojekt die Ursachen der Phobie und die Verstrickungen innerhalb der Familie. Die Verwandlung des kindlichen Charakters, im Zuge der Einflüsse von Angst und Verwirrung, beinhalten Erzählfragmente aus Realität und Fantasie“ (CP).
„Die Gesichter des Geldes“ ( Rendezvous chez Papin)
von Helmut Schweizer (1992) aus dem Kunstbesitz der Kommune Neuhausen.

Auf einen weiteren Aspekt des Unheimlichen weist die Serie “Die anderen Gesichter des Geldes” des in Düsseldorf lebenden Künstlers Helmut Schweizer aus dem Kunstbesitz der Kommune Neuhausen hin. Die digitalen Montagen, die parallel zu Schweizers gleichnamigem Beitrag zur Documenta IX,1992 ins Siebdruckverfahren übertragen wurden, zeigen die unheilvolle Verstrickung von kapitalistischem System, interessengeleiteter Forschung und deren nicht-zivile Nutzung.  Ausgangspunkt für die S/W-Serigrafien bildet der Arbeitstisch des Physikers Otto-Hahn, an dem er die ersten Experimente zur Kernspaltung vollzogen hat. Dieser wurde gespiegelt und gedreht  und mit Hilfe der „digital composition“ zu fratzenhaften, angsteinflößenden Visagen transformiert. Speziell die hier ausgestellten S/W- Serigrafien weisen auf künstlerische Interventionen zurück, die Helmut Schweizer bereits 1992 parallel zu seinem Documentabeitrag (d9, Kassel) in den Fensterflächen von Neuhäuser Banken durchgeführt hat.

fig. 5. Helmut Schweizer, Die Gesichter des Gedes (Schaufenster von Banken)
Beitrag zur documenta 9, Kassel 1992

fig.6. Helmut Schweizer, Die Gesichter des Geldes (Serigrafien 1-5 von 7), Projekt in den Schaufenstern in Neuhausen/Fildern und im Schloss Neuhausen, 1992
Kunstverein Neuhausen 2014 © Jim Zimmermann

Mit freundlicher Unterstützung
Regierungspräsidium Stuttgart, Land Baden-Württemberg, Kommune Neuhausen, Bundesschule des THW; Galerie Kuckei & Kuckei, Berlin; WorkART Kunstverein Fellowship Program des Center for German & European Studies, University of Minnesota; Minneapolis College of Art and Design (MCAD) und der AdKV, Berlin.

fig.7: Björn Schülke, Spider, Kunstverein Neuhausen © Janis Rozkains

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Björn Schuelkes kinetic sculptures, which can be described as a scientific and technological media objects, equipped with small monitors that record their environment. You interact with the visitors by precisely trace its movements and actions in space. The visible recording activity of kinetic control objects leaves an unsettling feeling of surveillance.. Sometimes the threat is leveled by the playful  appearance of objects or even thwarted, whereby the observer is deflected in the short term and transferred into a state of carelessness.

fig. 8 – 10: Björn Schülke, Drone, Kunstverein Neuhausen Foto: 2014 ©Björn Schülke und Kelsey Zigmund

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English version

Scenarios of the Uncanny
in art, technology and architecture
May 24 July 13, 2014
Opening: Saturday, May 24, 2014 7:30 pm

With Contributions from the artists/architects
Christophe Berdaguer & Marie Péjus (F), the artist and film maker Clement Page (UK), the (media) artist Bjorn Schuelke (D), the architect and artist Annett Zinsmeister (D) and the artist Simone Decker ( LUX / D).

Special contribution „The Faces of Money“ (Rendezvous chez Papin)
by Helmut Schweizer (D) of the public collection of the City Neuhausen.

The uncanny is a key term which has found use not only in the writings of Sigmund Freud (1919), but also in the cultural and social sciences, as well as in architecture discourse. „The uncanny,“ as outlined in the writing of Freud, goes back to well known and familiar term, or concept of containing an uncomfortably strange state. According to Freud, the uncanny can unfold effectively when the familiar, „has been alienated by the process of repression.“ The uncanny is connected with the emotions and sensations of the individual, transforming  feelings of the romantic into feelings of general horror. A general uneasiness or existential uncertainty  may escalate towards a distinct fear.

The works of this exhibition seek to track down the phenomenon of „the uncanny,“ as it exists in the present environment. It is highlighted as a central theme, for example , by surveillance technologies, by pictures of war and destruction, in the postmodern theory of Jacques Lacan or Derrida and so in the contemporary discourse on architecture, as in the writings of Anthony Vidler.

fig .11: Clement Page, Hold your Breath, Still from the S / W film, 2009

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The Uncanny in Architecture

The uncanny in the realm of the home is the subject being explored by french artists/architects  Berdaguer & Pejus in the series „Psycho Architecture“ and also by  Luxembourg-born artist Simone Decker in the photo series „White Noise“ (2001). In the latter photo series, Decker uses an analog method, blending small-town imagery and traditional buildings with a bright exposure of light. All architectural details were retouched by the transition process; habitable or functional buildings are turned into white, blind areas which remove all sense of the  home-like  and the  familiar.

In „Psycho Architecture,“ by Berdaguer & Pejus, the starting point for its realization was a building  from the 2000-person village Delme/Lorraine, which was formerly used as a prison, as well as school and then a morgue, before it’s artistic transformation. The invisible „spirit of the house,“ was an inspiration the two, and is reflected in the unusual, sculptural form of the new building, displaying a sort of „liquification.“ There is something threatening about its appearance, yet it also retains a certain sense of humor. The  polystyrene facade of the building is reminiscent of the oversized „marshmallow man“  from the 1984 movie „Ghostbusters.“ Elements of „The Ghostbusters“ are a reoccurring theme the works of  this Marseille-based team.

Spacial relationships relating to the uncanny are also examined in Annett Zinsmeister’s photo series, „Lost Homes“ (2009), which contains, in part, a documentation of Bosnia after the end of the war in 1996. In this photo series, Zinsmeister documents the destruction of the urban landscape brought upon by the war. Faceless mass- architectures of the post-socialist, post-capitalist societies  are  reflected in the artist’s light box installations, „Outside-in / Virtual Interiors“ from 2007.

fig. 12: Annett Zinsmeister, Sarajewo (Ruinenlandschaft)

Confession Library, 2014 (work in progress)
In her current work, Annett Zinsmeister is concerned with the architectural andelements of the former Jesuit chapel and their transformation into scenes of tragedy and horror.
In two former „Beichtzellen“ (confession cells), Zinsmeister sets up up a „confessional library” in which one may read collected materials about classic themes of confession and guilt and and to write ones own thoughts about confession or personal testimonials on the wall. The „Confession Library“ will remain open after this exhibition for visitors of Kunstverein Neuhausen to visit and add their own content to the books and movies already displayed.

fig: 13-16 : Björn Schülke, Installationsansicht „Drone“ u.a.

Bjorn Schuelke’s kinetic sculptures, which may also be described as scientific, technological media objects, are equipped with small monitors which record the environments in which they are placed. These pieces become interactive as they record the precise movements and actions of the viewer. The visible activity of the kinetic control objects soon produce feelings of paranoia as one is under tight surveillance.

The contribution of Clement Page (Bristol, UK) is in the S / W film „Hold your Breath“, 2010. In this movie, the uncanny in the context of the study „The Wolf Man“ of the psychoanalyst Sigmund Freud is reflected . „The black and white movie tells the story of 5 year old Sergei Pankejeff and his growing animal phobia, which affects in particular the fear of wolves. Clement Page explores in his film-project the causes of this phobia and the entanglements within the family. The transformation of a child’s character, in the course of the influence of fear and confusion, include narrative fragments of reality and fantasy „(CP).

Another aspect of the uncanny is represented by the series „The Other Faces of Money“ by Helmut Schweizer (Dusseldorf). The digital montages were created parallel to the contribution of Helmut Schweizer to Documenta IX, in 1992 and have been transferred to the screen printing process. They show the disastrous entanglement of the capitalist system, of interest-led research and their non-civilian use. Starting point for the S / W serigraphs is the labor table)of the physicist Otto Hahn, on which he has made the first experiments on nuclear fission. This table was mirrored, rotated and transformed with the aid of the „digital composition“ to grotesque, frightening visages.

Specifically, the B & W screenprints point back to artistic interventions that Helmut Schweizer had already carried out in the windows of credit banks in Neuhausen 1992 – parallel to his contribution Documentation (d9, Kassel).(Translation: Kelsey Zigmund, MCAD / Minneapolis)

fig. 17:: Clement Page, Still aus „Hold your Breath“, KV Neuhausen, Foto © Jim Zimmermann

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Statement on „Hold Your Breath“ by Clement Page

‚Hold Your Breath‘ is based on Sigmund Freud’s case history ‚The Wolf Man: From the History of an Infantile Neurosis‘. The ‚Wolf Man‘ is the story of Sergei Pankeiiev to enigmatic Russian boy who, aged five, suffers from a phobia of animals.
Freud developed many of his key theories from this case history: ‚infantile sexuality‘, ‚animal anxiety‘ , ‚the castration complex‘, ‚childhood totemism‘ and ‚the primal scene‘ being the key ones. The film HOWEVER does not make a literal reading of synthesis theories but rather sees them as offering a set of possible interpretations for Sergei’s behavior.
For me, Freud’s case not only Reveals did an ‚imaginary trauma‘ can play as important a part in the formation of childhood phobias as ‚real‘ trauma, so but did the repression of children’s sexual researches can therefore result in neurotic disturbance.
The film explores thesis sexual researches and How They correlate with Sergei’s emerging fear of animals. It ‚may be useful to briefly summarise Freud’s interpretation of the events dealt with in the film. Freud’s first theory is did Sergei’s sudden neurotic behavior, aged five, is the result of a regular animal anxiety Brought on by Sergei’s first sexual explorations. Freud Concludes did Sergei is Projecting his own repressed sadistic / masochistic sexual urges ontological animals. … „.
(Clement Page)

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