PABLO WENDEL ZUWIDERHANDLUNGEN

 PABLO WENDEL
ZUWIDERHANDLUNGEN

3. Oktober – 15. November 2009

Premiere am Freitag, 2. Oktober 2009, 19 Uhr

Uraufführung mit Informationen zum Projekt:
Susanne Jakob im Gespräch mit Pablo Wendel.

Neue Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag 14 – 18 Uhr oder nach
Vereinbarung T. 0172/5451345

Während der Öffnungszeiten findet die Vorführung zu jeder vollen Stunde statt.
(Letzte Vorführung um 17.10 Uhr)

Der in Stuttgart und London lebende Künstler ist bekannt geworden durch seine medienwirksame Aktion in Xi `an /China. Während eines Studienaufenthaltes im Jahr 2006 schlich er sich in einem selbst angefertigten Kostüm in die 2200 Jahre alte Terrakotta Armee ein, um wie die musealen Kameraden als Skulptur so lange zu verharren, bis er von den chinesischen Aufsichtskräften entdeckt und weggetragen wurde.

Intensive Vorbereitungsphasen, physische Extremleistungen und waghalsige Grenzerfahrungen gehören ebenso zu Pablo Wendels künstlerischer Praxis wie Versuchsanordnungen zu physikalischen Phänomenen, das Einloggen in funktionierende Systeme und ebenso auch die gezielte Entgleisung von physikalischen Prozessen.

PW_KV Neuhausen

Für das Projekt ZUWIDERHANDLUNGEN setzte sich Pablo Wendel mit der Raumsituation und der Geschichte des ehemaligen Jesuitenkollegs auseinander. Aus der topologischen Recherche entstand ein Film, der das Kernstück der Gesamtinstallation bildet. Er ist angelegt wie eine Kriminalgeschichte, die mit einer Verfolgungsjagd quer durch das Areal der heutigen THW Bundesschule beginnt und im labyrinthischen Tunnelsystem unter der Kapelle auf ominöse Weise endet.

Offen bleibt dabei, ob der Künstler, der als Hauptdarsteller die Story vorantreibt, der Verfolgte oder gar ein Verfolger oder Suchender ist, der einem fiktiven Objekt mit extremem physischen Einsatz hinterher jagt.
Die Inszenierung bewirkt, dass die Filmszenen im Zusammenspiel mit den „live“ aufgeführten Eingriffen in den Vorführraum die Zuschauer in einen permanenten Zustand des „Suspense“ versetzt und Imaginationen von Geschichten auslöst. (SJ)

Dank an: THW-Bundesschule, Neuhausen; Rettungshundestaffel der Johanniter, Göppingen: Kommune Neuhausen; Regierungspräsidium, Stuttgart; brouwer editions, Frankfurt; Ingenieurbüro Bewer, Neuhausen, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart.

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Trümmer-THW

PW-Nordseite

 


Preview: Filmvorführung und Gespräch
Susanne Jakob und Pablo Wendel mit Publikum 2. Oktober 2009

ZUWIDERHANDLUNGEN

Eine szenische Intervention von Pablo Wendel
Kunstverein Neuhausen 2009 – 2011

Intensive Vorbereitungsphasen, physische Extremleistungen und waghalsige Grenzerfahrungen gehören ebenso zu Pablo Wendels künstlerischer Praxis wie Versuchsanordnungen, das Hacken und Einloggen in funktionierende Systeme und ebenso die gezielte Entgleisung von physikalischen Prozessen. „Was passiert, wenn…“ ist eine Frage, die den Künstler antreibt und die er in seinen Installationen, Performances und Filmen erst einmal für sich selbst beantworten will, ehe er das Publikum in die künstlerischen Prozesse einbindet.

„Zuwiderhandlungen“ ist ein Langzeitprojekt, an dem Pablo Wendel von 2009 – 2011 im Auftrag des Kunstvereins Neuhausen arbeitete und das, wie der Titel schon vermuten lässt, mit deviantem Verhalten und Regelverstößen verbunden war.
In der ersten Phase von „Zuwiderhandlungen“ (Juni – November 2009) fanden Expeditionen und Recherchen in der unmittelbaren Umgebung und vor allem im Untergrund der ehemaligen Jesuitenkapelle statt, die seit 2009 dem Kunstverein als Ausstellungsort dient. Einen ersten Zwischenbericht seiner Feldforschung und performativen Einlassung in die Sakralarchitektur legte der Künstler im Oktober 2009 mit Film I vor, der den Prozess der unter- und überirdischen Durchdringung der noch nicht entweihten Kapelle und deren physische Raumnahme dokumentiert.
Die Uraufführung der performativen Raumaneignung wurde – im Sinne des „Expanded Cinema“ – von weiteren Interventionen, akustischen und visuellen Effekten kommentiert. Für das erweiterte Kinoerlebnis konzentrierte Pablo Wendel die gesamte Elektrik des Gebäudes auf ein Mischpult, von dem aus der Künstler als Schöpfer des Ereignisses in die Filmvorführung intervenieren konnte: In unregelmäßigen Abständen wurde der Film von zwanzig Theaterscheinwerfern überblendet, die für wenige Sekunden den zum Kino verwandelten Kirchenraum in gleissendes Licht tauchten. Eine über der Projektionswand befestigte Flex unterbrach den linearen Erzählfluss des Films mit ohrenbetäubenden Geräuschen und einer beängstigenden Funkenflut; mehrere Bohrmaschinen, die in den unterirdischen Gängen der Kapelle befestigt waren, brachten den Raum und das Publikum zum Vibrieren. Die szenische Intervention, die Vorstellungen an das Jüngste Gericht evozierte, war auch für das Publikum mit physischen und optischen Erfahrungen verbunden.

Pablo Wendel betrachtete Film I jedoch nicht als Endpunkt des künstlerischen Prozesses, sondern lediglich als Materialsammlung, an die weitere Recherchen und Dokumentationen anknüpften. Film II beginnt mit der Dokumentation der Uraufführung von Film I im Oktober 2009 und den damit verbundenen Reaktionen der Zuschauer, der Kommunalpolitiker und der Vertreter der Kirche, die letztendlich die Transformation des Sakralraumes zum profanen Ausstellungsraum zur Folge hatte. Der geweihte Sakralraum wurde von der katholischen Kirche im August 2010 feierlich säkularisiert und die damit verbundene Zeremonie als differenzielle performative Praxis von Pablo Wendel filmisch festgehalten. Der offizielle Akt der Entweihung sieht Pablo Wendel als rituelle Handlungsform, die parallel zu seiner eigenen performativen Praxis existiert und diese unfreiwillig kommentiert.
Nach Fertigstellung von Film II dachte Pablo Wendel an eine weitere räumliche Umsetzung des Gesamtprojekts „Zuwiderhandlungen“, in der die filmisch aufbereiteten rituellen Handlungen, Ereignisse und Reaktionen gemeinsam mit Fundstücken und Requisiten, Foto-, Film- und Textmaterial zu einem dreidimensionalen Storyboard verschmolzen werden sollte.

©2013 Susanne Jakob

Zuwiderhandlungen, Kunstverein Neuhausen, 2009 Film, DVD, 2009, ca. 18 min. Szenische Interventionen / Video
Text wurde publiziert in: Pablo Wendel, Stadtgalerie Saarbrücken 2013

KONZEPT, DREHBUCH & DARSTELLUNG Pablo Wendel

MITWIRKENDE / DARSTELLER Rettungshundestaffel der Johanniter Göppingen, Herr Tomaczewski mit Paco, Sprengteam des THW Neuhausen

FILMTEAM Daniel Beerstecher, Demian Bern, Helmut Dietz, Byung Chul Kim
FOTOS Rolf Woehrle
BELEUCHTUNG Thomas Kleinstück
SCHNITT Alexandra Menning, Filmakademie BW Ludwigsburg

MITARBEIT / ORGANISATION Daniel Beerstecher, Martina Geiger-Gerlach, Byung Chul Kim, Kestutis Svirnelis, Bundesschule THW Neuhausen: Frau und Herr Espik, Herr Lange, Herr Müller, Herr Naglik, Herr Voltmann.

 

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